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Samstag, 14. August 2010 1567 x gelesen  |  1 Kommentar
 

Am 24. Juli ist Alex „Hurricane“ Higgins im Alter von 61 Jahren gestorben. Der Nordirische Profispieler, war in den siebziger und achtziger Jahren eine lebende Snooker Legene, wenngleich eine tragische; der „Antiheld“ des Snookers, wie ein Kommentator im Britischen Guardian schrieb.

Higgins wuchs in der Nähe von Belfast (Nordirland) auf und begann schon als Kind Snooker zu spielen und machte Zeit seines Lebens nichts anderes wirklich. Der cholerische junge Mann war famos in seinem wilden Spiel und faszinierte mit unwirklichen Pots (Alex makes pots the rest of us only dreams about. Habe ich mal in einem Buch über ihn gelesen). Aber fast mehr als durch sein Spiel viel er mit seinem störrischen Charakter und seinem üblen Benehmen auf. The Hurricane war das Enfant Terrible des Snookers seiner Zeit.

 
1982 gewann er seinen zweiten Weltmeistertitel. Nachdem er das letzte Frame mit einer 135er Serie beendet hatte, brach er in Freudentränen aus und holte seine Frau und seine 18 Monat alte Tochter in einer emotionalen Szene vor die Kamera. Das Glück schien perfekt für Alex Higgins, doch drei Jahre später war die Ehe wieder geschieden.

Er gewann zweimal die Weltmeisterschaften. 1972 gegen John Spencer (37:32!!! 10 Ball Pool Finals gehen auf 11 oder 13…) und zehn Jahre später gegen Ray Reardon (18:15). Dazwischen stand er zweimal als Verlierer im Finale, 76 verlor er gegen Reardon und 1980 er gegen den Kanadier Cliff Thorburn.

Higgins, der während Snooker Matchs lautstark „a Lager“ bestellte und keiner Konfrontation auswich, weder am Tisch noch im Privatleben, wurde unzählige Male vom Weltsnookerverband gebüsst und sanktioniert. 1983 wäre er die Nummer eins der Profispieler gewesen, hätte er nicht zuvor aus disziplinarischen Gründen Punkte verloren.

Unvergesslich dürfte für ältere Britische Snookerfans der Auftritt in einer Pot-Black Sendung von BBC bleiben, bei dem er mit einem rieseigen zugeschwollenen blauen Auge im Studio erschien, nachdem er sich in der Nacht zuvor in einer Bar mit einem anderen Gast geprügelt hatte.

 
Die letzten Jahre seines Lebens waren geprägt von seiner schweren Krankheit, der Higgins im am vergangenen 24. Juli schliesslich erlag. 

Higgins besass keinen Führerausweis und tingelte mit dem Zug und Bus durch Grossbritanien von einem Turnier zum nächsten Exhibition oder zu einem Zockerspiel, wobei er oft spät oder gar nicht auftauchte. Unter Snooker Managern galt er als „unvermittelbar“. Er attackierte mehrmals Schiedsrichter mit Fäusten und Kopf und brach einer Freundin den Backenknochen – von einer anderen wurde er 1997 mit einem Messer niedergestochen. Kein Klischee des Hinterhofgamblers war zu abgedroschen, als dass es nicht auf Higgins gepasst hätte. Er war gewiss kein Gentleman Sportler, dennoch hatte er eine riesige Fangemeinde und verhalf dem Snooker zu Popularität ähnlich wie John McEnroe im Tennis, wobei der Amerikaner schliesslich seinen Weg fand während Higgins an seinem zügellosen Temperament zerbrach.

1996 wurde er erstmals wegen  Kehlkopfkrebses operiert, es folgten Jahre aufreibender Chemo- und Strahlentherapien, welche sein Gesicht buchstäblich zerfallen liessen – in den letzten Jahren war John Higgins nur noch ein Schatten seiner selbst. In den Annalen des Snookers hat Higgins für immer seine Spuren hinterlassen und er wird uns älteren Jahrgängen als trauriger Antiheld ewig in Erinnerung bleiben.

 

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Kommentare

18.08.2010 01:23:02 von David Plattner

Ein charismatischer, liebenswerter Snooker-Profi wie wir vielleicht nie wieder einen erleben werden - wer spielt heute noch Bänder (ja, auch auf die Ecktaschen!), verstellt sich andauernd, wenn's endlich mal einfach wird, rollt darauf scheinbar unmögliche Bälle nach Belieben in scheinbarer Zeitlupe oder knallt diese mit Lichtgeschwindigkeit in die Taschen, rauchte päckchenweise Zigaretten (und genehmigte sich des öftern mal ein Bier), stritt sich nebenbei schier unverständlich nuschelnd mit Schiedsrichtern, und fiel am Ende eines Matches scheinbar ausser Atem seinen Gegnern um den Hals, ob er nun gewann oder verlor?

 
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