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Plattner gewinnt 17 Stunden 14-1 Marathon in Bümpliz
 

Turnierbericht  von Pascal Nydegger & Thomas Ramseyer - swissbillard.ch

David Plattner gewinnt 14-1 Bümpliz Open im Morgengrauen

Am letzten Samstag lud der Billard Sport Club Bümpliz zum zweiten Open in diesem Jahr ein. Da nur bis zum 17. April Punkte für die Schweizer-Meisterschaft 2010/11 gesammelt werden konnten, bot das Turnier den Spielern die letzte Möglichkeit  ihr Punktekonto aufzubessern.

Wenn man bedenkt, dass 14-1 in der Vergangenheit eine relativ unbeliebte Disziplin war, mit entsprechend wenigen Teilnehmern, war das Open in Bümpliz mit 46 Spieler und Spielerinnen sehr gut besetzt. Allerdings war auch das 14-1 Wochenturnier, das vor kurzem ebenfalls in Bümpliz gespielt wurde, aussergewöhnlich gut besucht. Möglicherweise hat sich auch die Einstellung zu dieser Poolvariante verändert.

Einen Tag nach dem Turnier in Bern musste das Sonntagsturnier des Cue-Club 311 in Solothurn mangels Teilnehmer abgesagt werden, ein Hinweis auf die gegenwärtig mangelnde Begeisterung für Pool-Turniere. Wenn man sich umhört, teilen nicht alle diese Ansicht, doch ein Blick auf die Ranglisten auf Billard-Net sprechen für sich. Es ist nur mehr eine Handvoll Spieler, die sich regelmässig an Turnieren treffen. Allerdings ist es vermutlich zutreffend, dass diese wenigen Spieler in den vergangenen Monaten wieder etwas regelmässiger und aktiver gespielt haben.  

Snene aus dem Billardfilm

Das Billardlokal hatte früher eine andere soziale Funktion als heute (auf dem Bild eine Szene aus "The Husteler) mit Paul Neman aus dem Jahre 1961). Es war der Ort an dem sich der (meist ältere) Junggeselle abends mit anderen Traf, eine eigene intakte Subkultur inerhalb der urbanen Gesellschaft. 14-1 war ein der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Pool-Disziplin in der man ernsthafte Wettkämpfe austrug. Vor allem 9-Ball war dagegen das Spiel der Zocker. Die Regeln des 9-Balls eignen sich nicht zufällig vortrefflich für das Gambling, sie wurden vielmehr dafür geschaffen. Ganz anders 14-1, ein Spiel auf Augenhöhe bei dem die gespielten Serien und Durchschnittswerte Rückschlüsse auf das Niveau des Spielers zulassen.

Nach dem Krieg veränderte sich die Gesellschaft und mit ihr der "Pool-Room". Auch in der Schweiz verschwanden die Billardtische (vorwiegend Carambole) bis in die 60er Jahre aus den öffentlichen Restaurants. Ein Relikt aus dieser Zeit ist das nach wie vor geöffnete Billardcafe Schlauch im Züricher Niederdorf. Mit der Auflösung der herkömmlichen Billardhallen und der Verlagerung des Pools in Bars veränderte sich auch das Spiel. Die einst normale 10-Fuss Tische wurden selten und 14-1 wurde immer weniger gespielt.

Der Billardboom der 80er und Anfang 90er Jahre brachte der Schweiz eine grosses Zahl von Billardcenter. Zeitweise dürfte die Schweiz eines der Länder mit der höchsten Dichte an öffentlichen Pooltischen pro Einwohner gewesen sein. Das Billardcneter war jedoch von Anfang an vor allem ein "In-Place", ein neuer Treffpunkt, der chic und angesagt war, weil neu, unbekannt und damit ein wenig exotisch.

Wie alle Trends halten sich solche Phänomene nur kurz. Der Aufbau einer strukturierten und nachhaltigen Billardszene wurde verpasst. Der Kern mit 50 bis 100 Personen, für die Billard einen Teil ihres Lebensinhalts ist, wie für andere die Musikgesellschaft, das Laientheater oder der Fussballclub und ohne den ein Billardcenter langfristig nur schwer überleben kann, fehlt heute überall.

Wenn die Zukunft des Billards nicht in kleinen privaten Kellerlokalen liegen soll, wird es eine neue Billardkultur in einer neuen Generation von „Pool-Rooms“ brauchen. Ob dafür in einer Zeit von WeeFee, I-Phone und Easy-Jet überhaupt noch eine Nachfrage besteht wird sich zeigen. Gefragt ist jedenfalls eine gehörige Portion Fantasie, Pioniergeist und Bereitschaft zu unternehmerischem Risiko bei den zukünftigen Billardlokal-Betreibern.   

Viel erstaunlicher ist eigentlich, dass unter den herrschenden Bedingungen überhaupt noch so viele Turniere druchgeführt werden. Die Veranstalter können ausser an der Konsumation meistens nichts daran verdienen, erhalten also keine Entschädigung für die stundenlange Benutzung der Tische. Einige Organisatoren sponsern die Turniere sogar mit dreistelligen Summen, wie zum Beispiel am Reuss-Cup in Bremgarten oder dem Bieler-Cup. Wer glaubt, die Billardcenter könnten sich dies leisten, war wohl schon lange nicht mehr in einem Billardlokal. Man trifft heute am Sonntagmorgen in der Kirche mehr Leute als am Samstagabend im Billardclub (Sonntags haben viele obendrein gar nicht geöffnet). Die Schliessung von zahlreichen Lokalen in letzter Zeit war eine unvermeidliche Konsequenz und eine Wende ist vorerst nicht abzusehen. Fast immer trifft es im Übrigen Center, die regelmässig und zum Teil grosse Billardturniere durchgeführt haben. Dazu gehören Biel, Brugg, Payern und zuletzt das IST in Zürich.

Nun aber zum 14-1 Open in Bümpliz: Unter den 46 gemeldeten Spieler befanden sich 4 Damen, etliche Junioren aus der Region sowie ca. 35 Herren. Die stärksten Spieler setzten sich erwartungsgemäss ins Viertelfinale durch.

Eine Überraschung vor dem Viertelfinal war die Niederlage des amtierenden 14-1 Schweizermeisters und als Nummer 1 gesetzten Pascal Nydegger. Wer jedoch das sehr bemerkenswerte 14-1 Spiel nach alter Schule, von David Plattner beobachtete, erkannte rasch, dass der 8-Ball Senioren Europameister der eigentliche Turnierfavoriten war. Plattner hielt seine Gegner ständig mit cleveren Saves und guten Serien vom Tisch.

Die Viertelfinals wurden wie folgt gespielt:

David Plattner           (75) – (53)     Gianni Campagnolo

Vincent Barbey         (34) – (75)     Pascal Nydegger

Markus Johner          (16) – (75)     Megzon Klaiqi

Ayas Murat                (60) – (75)     Marco Poggiolini

 

David Plattern Pool-Billardspieler aus St. Gallen

David Plattner - leidenschaftlicher Poolbillardspieler aus der Ostschweiz spielt regelmässig in der BIllardbar Sorrento in Rorschach. Er wurde 2010 Europameister im 8er Ball bei den Senioren.    

Nach einer Extra-Runde von Nydegger kam es im Halbfinal schliesslich zur zweiten Begegnung mit Plattner. Der Ostschweizer dominierte die Partie erneut und der Welche erneut und Nydegger vermochte sich zu später Stunde nicht mehr ausreichend auf das Spiel zu konzentrieren und hatte wenig entgegenzuhalten. Entsprechend klar das Resultat von 75:4.

Nach dem eher überraschenden Viertelfinalsieg des Baslers Marco Poggiolini gegen Murat Ayas vom Cue Club 311 liess Poggiolini auch im Halbfinal nichts anbrennen und setzte sich mit 75-35 erwartungsgemäss gegen den jungen Klaiqi durch und sicherte sich den Finaleinzug.

Und nun – festhalten: Das Finale wurde sage und schreibe um 2.30 Uhr morgens  gestartet. Zeitlich ist der Anlass der Turnierleitung leider völlig entgleitet. Mit eisernem Willen zogen die Verantwortlichen das Turnier bis zum bitteren Ende durch. Hätte man bereits am Nachmittag gehandelt und das Ausspielziel im Hoffnungslauf auf 50 gesenkt,  das Turnier wäre sicher um Mitternacht beendet gewesen - was ohnehin schon viel zu spät wäre, für ein Turnier, das 13 Stunden vorher angefangen hatte.

In einem Kampf, der wohl an den Billardmarathon aus „Die Haie der Grossstadt“ zwischen Fast Eddy Felson und Minesota Fats erinnern musste, gewann um 4 Uhr in der Früh David Plattner mit 75:55 gegen Marco Poggiolini. Für alle Nachtschwärmer sicher eine gute Vorbereitung auf das anstehende Natchtturnier im Sommer in Luzern.

Es wurden einige beachtenswerte Serien geschossen. David Plattner kam mehrmals über 40. Murat Ayas erreichte mit 60 die Turnier-Höchstserie und Pascal Nydegger schoss gegen den alten Hasen Markus von Niederhäusern immerhin 54 Bälle in einer Aufnahme.

Alle Resultate und Tableaus zum 2. Bümpliz Open 2011 könnt Ihr auf http://www.billard-net.ch/_tournaments_matchlog.php?tournamentID=5082&select=liventnehmen.

Schöne Ostern und bis bald, Pascal Nydegger

 
 
Kommentare

23.04.2011 14:39:32 von David Plattner

Plattner gewinnt 17 Stunden 14-1 Marathon in Bümpliz

Einen Tag lang 14-1 zu spielen ist wie Geburtstag, Ostern, Weihnachten usw. alles zusammen - solche Open sind so rar, da freut man sich nur einfach, wenn eins stattfindet. Warum die eine (= die andere) Tableauhälfte zeitlich um ein ganzes Match hinten lag, weiss ich nicht, jedenfalls war 3 (!) Mal an einem Turnier während längerer Pausen einzuschlafen selbst für einen dauererschöpften alten Chlaus wie mich ein neuer Rekord (nervenaufreibend, danach überhaupt wieder wach zu werden). Sowas sehe ich jedoch ausschliesslich als mein Problem an - Potsch machte im Finale einen beneidenswert fitten Eindruck, und verschoss in meiner Erinnerung nur einen einzigen machbaren Ball. Ob die Turnierleitung überhaupt etwas hätte besser machen können, da bin ich mir nicht so sicher: ein Ausspielziel von 50 im Hoffnungslauf spart Zeit, liegt damit aber für praktisch alle Teilnehmer im Bereich einer Aufnahme, das ist echt Harcore! Meiner Erfahrung nach dauern Matches am längsten, die innerhalb der Aufnahmenbegrenzung nur knapp oder gar nicht fertig werden - ein Spielstand von 74-73 in der 25. Aufnahme zum Beispiel, da könnte auch ein Ralf Souquet in aller Seelenruhe seine 75 ausschiessen, und hätte danach noch Zeit für ein Nickerchen. Fazit: 14-1 muss man lieben, daran führt kein Weg vorbei. Ich bin jedenfalls dankbar, dass diese "totgesagte" Disziplin offenbar doch noch nicht ausgestorben ist, und wenn sie ein Comeback feiert, umso besser! Man muss nur mal darauf achten, wieviele unserer Schweizer Jungtalente mitgemacht haben, und wie gut die sich schlagen - das gibt einem doch Hoffnung!

 

26.04.2011 07:28:43 von Serge Brigljevic

Plattner gewinnt 17 Stunden 14-1 Marathon in Bümpliz

Die Elemente von 14.1 von Tom Ross Letzte Woche habe ich eine kleine Reise nach Vancouver gemacht, ich hatte dort das Vergnügen, eine neue Freundschaft aufzubauen. Es handelte sich um einen alten Freund eines meiner besten Freunde. Er ist in Taiwan geboren und ist vor 3 Monaten nach Vancouver gekommen um sein Englisch zu verbessern. Wir waren nicht länger als einen Tag zusammen und schon hat er begonnen, alle seine Pool Kenntnisse mit mir zu teilen. Wir haben selbstverständlich bekannte Spieler seines Landes erwähnt wie Fong-Pang Chao, Jennifer Chen, Nummer 1 Spieler in Asien, Chin-Shun Yang, und die amtierende Weltmeisterin, Shin-Mei Liu. Ist er ein Pool Spieler? Nicht wirklich, er sagt, er sei nur ein sehr begeisterter Pool Fan. Ich werde hier nicht seine Prognose für die kommenden Meisterschaften erwähnen, aber ich möchte trotzdem sagen, dass sich seine Kenntnisse nicht nur auf Asien begrenzen, sondern, dass er die weltweite Pool Landschaft sehr gut kennt : wir haben über Earl Strickland, Corey Deuel, Johnny Archer, Allison Fischer, Oliver Ortmann, Ralf Souquet und noch viele andere gesprochen. Er kennt diese Spieler, weil Pool in seiner Heimat eine der bedeutendsten Sportarten ist, mit einer sehr grossen TV Präsenz. Unser Pool Gespräch hat seinen Höhepunkt erreicht, als wir die letzte Junioren 9-Ball WM besprochen haben und die Tatsache, dass 7 der letzten 11 Sieger aus Taiwan stammen. Mein neuer Freund sagte mir dann in perfektem Englisch: „In den USA spielt niemand mehr 14/1“ Wie weiss er das? Gibt es jemand, der eine derartige Statistik rund um die Welt führt? Eigentlich ist es unwichtig, woher er diese Information hat. Wichtig ist, dass er seinen Finger auf den richtigen Schmerzpunkt gehalten hat. Wenn ein Land, das rund 7% der Einwohner der USA hat, sich in die „Welt dominierende“ Kraft umgewandelt hat, in einem Spiel, das wir erfunden haben, und wenn ein einziger avisierter Zuschauer die Begründung gekennzeichnet hat, wird es Zeit, es zu merken. Ich glaube, der Hauptgrund, dass 14/1 nicht genug gespielt wird, ist, dass das Spiel zu schmerzhaft ist. Es tut einfach weh, 15 verstreute Kugeln auf dem Tisch zu beobachten und nur 3 oder 4 davon versenken zu können, bevor ein Fehler begangen und der Stuhl wieder erwärmt wird. 14/1 lehrt uns Bescheidenheit mit seinen ruhigen und permanenten Anforderungen hoher Fähigkeiten. Vielleicht können wir einen Weg vorschlagen um diese Schmerzen zu entfernen, wenn wir die Schlüsselelemente des Spieles getrennt üben. Die erste (und selbstverständliche) Fähigkeit von 14/1 ist, Kugeln zu versenken. Die 2 populärsten Spiele schränken die Serie auf acht oder neun Kugeln ein, bevor die Aktion gestoppt wird und ein neues Spiel beginnt. 14/1 hat keine Grenzen und gibt jedem Spieler die Möglichkeit, stundenlang am Tisch zu bleiben, eigentlich in der Theorie für eine undefinierte Zeit, wenn genügend Essen und Trinken vorgesehen wurde. Vor ein paar Jahren hat jemand ein Spiel erfunden, das „Equal Offense“ heisst und das ein ausgezeichnetes Training vorschlägt um Kugeln zu versenken. Ein Spieler eröffnet das Dreieck mit einem Anspiel Stoss (wie im 8-Ball), nimmt den weissen Ball und setzt ihn irgendwo auf den Tisch, und beginnt die Kugeln zu versenken bis zu einem Maximum von 20, dann werden die Kugeln wieder zusammen gebracht und es wird von vorne angespielt. Das Spiel dauert 10 Aufnahmen, damit ein perfektes Resultat von 200 erreicht werden kann. Equal Offense hat zwei Grundmerkmale, die es als perfektes Training Spiel kennzeichnen: Einerseits haben zwei Spieler die Möglichkeit die gleiche Zeit am Tisch zu verbringen und andererseits auch wenn nur von einem Spieler geübt, gibt es die Möglichkeit gegen seinen eigenen Rekord zu kämpfen und die Vorschritte zu merken. Versucht diese Übung in eurem täglichen Training einzubinden und notiert die Resultate in eurem Logbuch. Die zweite wichtige Fähigkeit, und Schlüssel zu hohen Serien, ist, Break Bälle einzurichten, die notwendig sind um das Dreieck sauber zu verteilen. Statt zu warten, dass Break Ball Gelegenheiten ab und zu während des Spiels auftauchen, ist es möglich diesen Teil des Spieles zu isolieren. Setzt einen Ball nah am Dreieck in einer idealen Break Ball Stellung und einen anderen Ball neben der mittleren Tasche, damit die Stellung auf dem Break Ball mit einem Stop Ball garantiert wird. Dieser Ball neben der mittleren Tasche wird „Schlüssel Ball“ genannt, er ist eben der Schlüssel zur Fortsetzung der Serie. Nun setzt drei oder vier andere Bälle in der gleichen Tischhälfte, und mit dem weissen Ball in der Hand, versenkt alle Bälle bis zu dem Break Ball. Spielt den Breakball in der jetzigen Phase nicht, sondern versucht nur zu visualisieren wie der Ball gespielt werden soll (Effekt, Stärke usw.). Wiederholt diese Übung während einer Stunde. Die letzte Fähigkeit sind die Break Bälle. Beginnt mit den Bällen, die sich an der Seite vom Dreieck befinden und spielt die mit dem weissen Ball in der Hand. Fokussiert den Ball und die Stellung des weissen Balls nach dem Break, dieser soll frei bleiben. Wenn der Breakball versenkt wird und ein Stoss auf einen nächsten Ball möglich ist, mit weiteren Möglichkeiten danach, ist die Arbeit sauber durchgeführt worden und ihr könnt die Bälle neu auflegen und den nächsten Break Ball probieren. Es gibt ca. ein Halbduzend gewöhnliche und effiziente Break Stösse; vom am meist gespielten Ecktaschen Ball bis zum mittleren Tasche Ball, nah vom oberen Teil des Dreiecks. Passt immer auf, dass sich der weisse Ball nach dem Break so nah wie möglich von der Tischmitte befindet. Gewisse Bälle werdet ihr mit Rückziehern in die Mitte des Dreiecks spielen, andere mit Nachläufern am Rande des Dreiecks. Die Trennung der Hauptelemente von 14/1, um sich mit jedem einzelnen vertraut zu machen, wird eine schnelle Verbesserung verursachen und wird es weniger beeindruckend erscheinen lassen, wenn das Spiel wieder ganz gespielt wird. Eine andere Hilfe ist zuzuschauen, wie es aussieht, wenn das Spiel von den besten Profis gespielt wird. Einige Videos mit 100 (und mehr) Serien sind auf www.accu-stats.com zu finden. Die Perfektion, die dort gezeigt wird ist schwierig vorstellbar, wenn man es nicht selber einmal gesehen hat. Die Videos von Mike Sigel und von John Schmidt (245 Serie) sind ebenso eine Quelle für die Inspiration. Der beste Weg zu lernen ist selbstverständlich durch die eigene Erfahrung. Üben und lernen des Königspiels wird eine dramatische Verbesserung aller anderen Spiele einleiten. Wer weiss? Vielleicht werdet ihr jedes Mal 300 Bälle versenken, wenn ihr an den Tisch kommt und eine der Personen auf dieser Erde werden, die die übliche 14/1 Kritik mit einer Hand Geste zur Seite schieben : „Dieses Spiel ist langweilig“. Oder wenn ihr jemanden trifft, der euch sagt, dass das eleganteste Pool Spiel nicht mehr gespielt wird, werdet ihr antworten können: „ Ich tue und liebe es!“

 

27.04.2011 10:50:00 von David Plattner

Plattner gewinnt 17 Stunden 14-1 Marathon in Bümpliz

Die Wegstrecke ist für den heutigen Zeitgeist einfach zu lang. Weltklasse-14/1-Spieler Dallas West hat mal bemerkt, dass er jeden, den er von der Strasse aufliest, innert eines Jahres in einen ganz passablen 9-Ball-Spieler verwandeln könne, aber bei 14/1 gäbe es keine Möglichkeit, die vielen Jahre an Erfahrung zu überspringen. Das Spiel ist zudem psychologisch frustrierender: im 9-Ball kann man mit einem verschossenen Ball mehr oder minder gut leben (solange man an der Ausführung nicht scheitert, behält der Spieler "Recht" - egal wie gescheit oder dumm der Plan gewesen sein mag), aber im 14/1 handelt es sich, wenn man genau analysiert, oft um eine allem zugrundeliegende Art von "Unfähigkeit" - sich selbst Denkfehler, Ignoranz, grundsätzliche technische Mängel usw. einzugestehen, das geht einem ungleich mehr ans Gemüt - ausser man besitzt die Mischung aus Geduld und Neugier, die das Spiel erfordert (erstaunlicherweise ist so ein Spielertypus seltener, als man annehmen möchte). Dies ist mit ein Grund, warum ich empfehlen würde, 14/1 u.a. auch unterschiedlich schnell zu spielen: wenn's läuft, läuft's, eine spannende Erfahrung. Vor allem auch (aber nicht nur dann!) wenn's nicht läuft, kann es sinnvoll sein, auf "Lernmodus" umzuschalten - möglich, dass man ein Spiel oder Match so noch für sich entscheidet, wichtiger aber: selbst wenn nicht, geht man so mit dem Gefühl nach Hause, die Zeit sinnvoll investiert zu haben. Diese Art von geistiger (sogar seelischer, finde ich) Befriedigung ist in den schnelllebigeren Disziplinen ungleich seltener zu erfahren (weil es da weniger zu wissen, sondern vor allem etwas auszuführen gibt). Das Gefühl, etwas gelernt zu haben, macht einen 14/1-Spieler glücklich.