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10-Ball Eurotour Spanien - Appleton gewinnt - Jungo fünfter!
 

Turnierbericht von Thomas Ramseyer - www.swissbillard

Ein paar Gedanken zur Eurotour - Die Eurotour ist vermutlich die hochstehendste Pool-Billard Turnierserie der Welt. Es mangelt ihr nicht an Qualität sondern am Format. Das ist enorm schade, denn sie hätte das Potential ein erstklassiges Aushängeschild für Pool in Europa zu sein.

 Darren Appleton gewinnt die Eurotour in Benidorm 2010 www.sport64.ch
"Dynamite" Darren Appleton spielte das ganze Turnier sicher - ausser beim 8:7 gegen Mark Gray. "Es hätte mich krank gemacht, gegen ihn zu verlieren, da ich dauernd alles unter Kontrolle hatte. Zum Glück gelang mir ein guter Break und ich konnte beim 7:7 ausschiessen, nachdem ich mich unter so viel Druck gesetzt hatte"

202 Teilnehmer hatte das Turnier, das letzte Woche im Spanischen Billig-Turistenort Benidorm an der Costa Blanca ausgetragen wurde. Was auf den ersten Blick wie eine tolle Besetzung aussieht, muss nach genauem Hinsehen relativiert werden. Nicht weniger als 49 Teilnehmer kamen aus Norwegen und Schweden angereist! Was weniger daran liegen dürfte, dass in Skandinavien ein neuer Billard-Boom ausgebrochen ist, als dass die Nordländer Lust auf einen günstigen Trip in den Süden hatten. Unter den ersten 50 der Gesamtrangliste findet sich denn auch gerade ein Spieler aus Schweden (Marcus Chamat) und keiner aus Norwegen. Naturgemäss war auch Spanien am Turnier gut vertreten (35 Spieler) und hält in der Gesamtrangliste immerhin vier Plätze unter den ersten 50.

 Fabrizio Burato Eurotour in Benidorm 2010 www.sport64.ch
Kein schlechtes Turnier gespielt. Fabrizio Burato spielte dieses Jahr dreimal an der Eurotour und erreichte in Benidorm den 65. Rang.

Dennoch ist die Eurotour sportlich ein grosser Erfolg, denn die meisten Top-Spieler aus Europa nehmen tatsächlich regelmässig daran teil. Einzig die Europäer, die in Übersee leben, beteiligen sich nur sporadisch an der Tour auf ihrem Heimatkontinent - was sicher auf die hohen Reisekosten zurückzuführen ist.

Von den Top-30 der Gesamtrangliste waren in Benidorm 28!! anwesend. Es fehlten krankheitsbedingt Ralph Souquet und der Spanier Sanchez-Ruiz. Wer an der Eurotour vorne mit dabei ist, gehört zu den wirklich besten Spielern, man schafft es nicht unter die ersten 20 bloss indem man jedesmal dabei ist.

In den Top-100 der Eurotour Rangliste befinden sich fünf, die 2010 jedes Turnier gespielt haben und es nie in die letzten 32 geschafft haben. Der bestplazierte von ihnen ist der Franzose Francois Cottance, der dreimal in der Verliererqualifikation scheiterte.

Nur gerade zwei Spieler haben 2010 jeden Turnierstop bestritten und sind immer im Feld der letzten 32 dabei gewesen: Chris Melling, der Sieger von Portugal und sein Landsmann Daryl Peach, der in Italien gewann.

 

10-BALL EUROTOUR IN BENIDORM

Nun zum Turnier in Benidorm. Mindestens fünf Spieler waren aus der  Schweiz ins krisengeplagte Mittelmeerland gereist. Eric Juvet,  Markus Weber, Novo Sarafimoski, Fabrizio Burato und der zweite des Amsterdamer Opens, Dimitri Jungo.  

Burato verlor sein erstes Spiel knapp gegen einen Portugiesen und gewann anschliessend drei Partien ehe er gegen den Holländer Ivo Aarts 8:2 ausschied. Juvet gwann leider nur fünf Spiele in seinen zwei Partien, Sarafimoski kam gegen Sascha Tege, der letztlich dritter wurde, gleich 8:0 unter die Räder und schied in Runde fünf gegen Ottermann knapp mit 8:7 aus was ihm den 49. Rang an seinem ersten Eurotour-Turnier brachte.

Makus Weber gelang in seiner zweiten Partie ein äusserst beachtenswerter Sieg über den gesetzten Spanier Francisco Diaz-Pizarro (8:5), dessen Weg zur Silbermedaille somit von Anfang an über die Verliererrunde führte. Nach diesem  Exploit verlor Weber zweimal hintereinander unglücklich mit 8:7 und beendete den Wettkampf auf Platz 65 - genau wie Burato.

 Dimitri Jungo fünfter an der Eurotour in Benidorm 2010 www.sport64.ch
Unrasiert und fern der Heimat...Vor einer Woche zweiter in Amsterdam und nun in den Viertelfinals verloren. Dimitri Jungo spielt mit enormer Konstanz auf hohem Niveau.  2010 erreichte er an drei Eurotour Turnieren einen 3. und einen 5. Platz .

Dimitri Jungo geriet schon früh an den Engländer Daryl Peach, gegen den er mit 8:5 das Nachsehen hatte. Hauchdünne Siege gegen die Deutschen Kuloyants (8:7) und Helmut Heck (6:8) sowie den Engländer Scott Higgins (8:7) sicherten ihm aber den Einzug in die Finalrunde.

Nach siegen über den Spanier Simon Parra und Raj Hudal verlor er erst im Viertelsfinal gegen Sacha Tege 8:3. Damit beendete Jungo seine dritte Eurotour in diesem Jahr auf dem fünften Rang - nach einem dritten Platz in Paris und einem 33. in Italien. Jungo liegt derzeit auf Platz 65 der Eurotour Gesamtrangliste.

Zu den prominentesten Spielern, die den Cut in Benidorm nicht schafften, gehörte der Eurotour-Leader Karl Boyes. Der Brite verlor in der Verliererqualifikation 7:8 gegen den Bruder von Darren Appleton, Shane Appleton. Auf die falsche Tableauseite gelangte er nach einer Niederlage gegen Sascha Tege. Ebenfalls in der Verliererqualifikation stolperten Thomas Engert (8:7 gegen den Finnen Makkonen), der Franzose Cohen sowie der beste Spanier, David Alcaide. Er verlor 3:8 gegen den Sieger von Gstaad, Dominic Jentsch aus Deutschland. Mit dem gleichen Resultat schied Jentsch eine Runde später gegen Mark Gray aus.

In der erstem KO Runde gelang der  Meisterpatzer Oliver Ortman, als er beim Stande von 7:7 gegen den Polen Karol Skowerski die Zehn verschoss... Darren Appleton kam in Fahrt und liess dem Schweden Haltu kein einziges Spiel und auch Huidji See durfte gegen Francisco Diaz-Pizarro nur einmal auf die Zehn schiessen.

Im Achtelfinale schaffte Appleton den Sieg gegen Kompatrioten Mark Gray nur mit 8:7, dem Standardresultat dieser Runde. Das eindeutigste Resultat buchte Diaz-Pizarro gegen den Norweger Kristianssen mit 8:5.

 Darren Appleton gewinnt die Eurotour in Benidorm 2010 www.sport64.ch
Francisco Diaz-Pizarro ist Spaniens neuer Top-Shot. Der aggressiv auf Angriff drängende Andalusier ist in seiner Heimat schon lange bekannt, spielt aber erst seit diesem Jahr regelmässig auf der Eurotour, die er auf dem ausgezeichneten 14. Platz abschliesst.

Deutliche Resultate gab es in den Viertelfinals. Jungo verlor 3:8 gegen Tege, Appleton eliminierte Daryl Peach mit 8:4, Reimering bezwang den Sieger von Amsterdam, Nick van den Berg, 8:5 und Diaz-Pizarro obsiegte gegen den Russen Konstantin Stepanov mit demselben Resultat.

Nun standen gleich zwei Deutsche Spieler in der zweitletzten Runde, die einen rein Deutschen Final in der Hand hatten. So kam es aber nicht. Sascha Tege gelang es gegen Darren Appleton nur dreimal die Zehn zu lochen und Francisco Diaz-Pizarro bezwang Christian Reimering mit 8:6.

Im Endspiel duellierten sich somit Diaz-Pizarro und Darren Appleton. Der enorm talentierte Spanier aus Málaga  nahm 2008 zum ersten Mal an einer Eurotour teil - in seiner Heimatstadt Málaga - und erreichte auf Anhieb den fünften Platz. Ein Jahr später versuchte er erneut sein Glück und bestätigte sein Können mit einem dritten Schlussrang! Ermuntert durch diese beiden Resultate und seine Erfolge in Spanien, trat Diaz-Pizarro dieses Jahr an jeder Eurotour an. Nachdem es in Paris "nur" auf Platz 65 gereicht hatte, vermochte er sich von Turnier zu Turnier zu steigern. In St. Johann wurde er neunter. An seiner dritten Eurotour in in Spanien verlor er das Final am Samstag in einem hart umkämpften Gefecht gegen Darren Appleton 8:6.

Appleton, der sich wegen dem schlechten Wetter erst in letzter Minute zur Teilnahme in Benidorm entschieden hatte, vermochte das Blatt nach einem 5:4 Rückstand noch zu wenden.

Der 10-Ball Weltmeister von 2008 befindet sich in bestechender Form, erst im Oktober gewann er das US Open 9-Ball Turnier. "Es ist immer schwer [ein Turnier zu gewinnen] und erst recht, wenn die Taschen so gross sind und so viele gute Spieler am Start stehen. Ich bevorzuge 4 1/2 Zoll  Taschen, diese hier waren sicher grösser als 5-Zoll, das macht einen grossen Unterschied und die getappten Tücher machten den Anstoss einfacher. ... Dises Spiel ist verrückt, manchmal. Aber seit ich einige Dinge an meinem Spiel geändert habe fühle ich mich besser denn je und ich spüre, dass da noch mehr kommt und ich bin gespannt auf 2011!" meinte Appleton nach seinem Sieg gegenüber www.pro9.co.uk - nun, wir sind es auch!

 
 
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