Montag, 14. Dezember 4:10  |  1638 x gelesen  |  1 Kommentar
 
USA gewinnt den Mosconi Cup zum 11. Mal!
 

Thomas Ramseyer - swissbillard

Vierter und letzter Tag Mosconi Cup 2009

alle Resultate

Wunder dauern etwas länger. Nach vier Partien war aber Schluss. Der Vorsprung des Team USA hat sich also immerhin nicht mehr vergrössert. 11:7 stand es am Schluss, nachdem Shane Van Boening die letzte 9 gegen einen deprimierten Ralf Souquet versenkt hatte. Die USA haben die 16. Austragung des Mosconi Cup klar und verdient für sich entschieden. 88 Mal haben sie die Neun versenkt, nur 78 Neuer brachten Souquet, Immonen, Hohmann, Appleton und Feijen ins Loch.

Nach dem ersten Match sah alles noch offen aus. Souquet hatte Van Boening im Griff und siegte mit 6:3 recht deutlich. Niels Feijen aber wurde in Las Vegas nicht richtig warm. Dennis Hatch, der zum "wertvollsten Spieler" gewählt wurde, fegte den Holländer mit 6:0 vom Tisch. Die einzige der total 18 Begegnungen, die zu Null endete. 

TEAM USA - MOSCONI CUP WINNER 2009 - SWISSBILLARD.CH
Siegreiches US Team am 16. Mosconi Cup. Von links Corey Deuel (Weltrangliste Nr. 25), Dennis Hatch (nicht klassiert), Jonny Archer (38), Oscar Dominguez (39) und Shane van Boening (11).

Mit dem Rücken zur Wand traf Thorsten Hohmann auf Jonny Archer. Der Deutsche Profi spielte makellos und brachte erneut Optimismus ins Europäische Lager. 6:1 war eine happige Niederlage für Archer, der schon zum 13. Mal die USA am Mosconi Cup vertritt. Noch einen Sieg für den alten Kontinent und die Karten würden neu gemischt.

Es sollte nicht sein. Ralf Souquet, der nicht umsonst Kaiser genannt wird, konnte es diesmal nicht mehr richten. Zuviele unerzwungene Fehler und ein nervenstarker Shane van Boening verhinderten eine erneute Wende. 6:2 hiess das letzte Resultat des Mosconi Cup 2009 und 11:7 der Endstand für die glücklichen Amerikaner.

Nächstes Jahr wird das Turnier wieder in Europa ausgetragen. Heimvorteil! Vielleicht wäre der Mosconi Cup eine Reise Wert, wenn er nicht gerade wieder in Malta über die Bühne geht..! 

 


Dritter Tag Mosconi Cup 2009

"Am Mosconi Cup teilzunehmen und für Europa zu spielen ist eine Ehre und viel belastender als die Teilnahme an einem individuellen Turnier."  Für die Spieler ist der Mosconi Cup also immer noch etwas wirklich besonderes. Vielleicht dürfte man noch etwas am Format schräubeln, sechs Siege sind eine enorm kurze Distanz, vor allem wenn im Doppel gespielt wir. Die Begegnung ist schnell um, eh ein Spieler auch nur zwei, drei Spaziergänge um den Tisch gemacht hat. Aber die Spannung und die Emotionen sind jedenfalls auf allen Seiten vorhanden.

Mika Immonen, der noch etwas unter einer Grippe zu leiden hatte, meinte zum Spiel am Mosconi Cup, "wenn ich nervös bin, bin ich (hier) extra nervös" und bezüglich einem schwierigen Stoss auf die Acht, "Ich dachte mein Herz springt mir aus dem Leib! Im Training mache ich diesen Ball tausend Mal von Tausend, aber dies hier ist der Mosconi Cup!"

Anstoss von Thorsten Hohmann. Die Break Regel, dass drei Kugeln die Grundlinie überschreiten müssen, bereitete den Spielern einige Mühe.

Der Samstag begann gut für Europa. Hohmann und Feijen lassen Deuel/Hatch keine Chance und setzen das Totalresultat auf 7:3. Hohmann "Wir werden hier nicht abreisen ohne zu kämpfen. Es ist noch nicht vorbei und wir sind ein starkes Team. Ich denke wir können es (noch?) schaffen!"

 In der zweiten Partie standen mit Immonen und Souquet vermutlich die stärkste Formation am Tisch, was man, auf Grund der Resultate (auch an der 10 Ball WM) von Oscar Dominguez und Shane van Boening nicht behaupten kann. Dennoch gingen die beiden jungen Amerikaner mit 2:1 in Führung. Im vierten Spiel verfehlte Boening die Fünf und sein nächster Anstoss ist ein Foul (3-Ball Regel nicht erfüllt). Die Europäer sind 3:2 vor. Hin und her im sechsten Spiel, dann "A shocking, unforced error from Van Boening sees him miss a simple 4-ball", wie es im Matchroom Blog geschrieben steht. Souquet/Immonen lassen sich nicht bitten und führen 4:2. Souquet schien in Form und versenkte als nächstes eine 1 in der Mitte aus steilem Winkel, der die Zuschauer in Stanen und Raunen versetz - 5:2! Aber.....Fehler Souquet, schwache Position Immonen - schon steht es 5:3. Als nächstes liess Immonen die Sieben in der Tasche hängen, Dominguez hinterlässt seinem Partner eine unglückliche Position, aber Van Boening pottet cool über die Bande - 5:4. Dann die Erlösung nach einem Superbreak von Immonen, ein weiterer wichtiger Sieg für die Europäer.   

Dennis Hatch trat nun gegen Niels Feijen in den Ring, bzw. an den Tisch. Der Holländer führte mit 3:1 und 4:2 aber Hatch gewann den Match mit 6:4! Im neunten Spiel verschoss Feijen die Vier und im zehnten war es die Fünf. Fairerweise muss man sagen, dass ich dies nur gelesen und nicht gesehen habe. Aber man kann sich lebhaft vorstellen, wie dort, im relativ kleinen Matchraum des MGM Grand Hotel in Las Vegas, Feijens Nerven blitz blank lagen...

Der 38 jährige Dennis Hatch, links, der zum ersten Mal am Mosconi Cup teilnimmt, ist der emotionalste Spieler auf dem Platz. Sein 24 jähriger Teampartern Oscar Dominguez fehlte bisher der letzte Biss um den hochklassierten Europäern Paroli bieten zu können.

Das letzte Doppel des diesjährigen Mosconi Cup bestritten Jonny Archer & Corey Deuel gegen Thorsten Hohmann/Darren Appleton. Der Match war ausgeglichen und spannend bis zur zum bitteren Ende. Es stand 5:5 und die nächste Neun würde entscheiden ob es 9:4 für die USA steht oder 8:5. Der Anstoss gelang Deuel nicht optimal und beide Teams hatten die Gelegenheit ihr Können unter Beweis zu stellen. Schliesslich war es Archer, der die Eins nach Hause brachte und den nervösen Deuel sicher durch die restlichen Kugeln führte zum 9:4 für die USA.

Bleib ein letztes Einzel. Der bislang wenig erfolgreiche Oscar Dominguez musste gegen den frischgebackenen 10-Ball Weltmeister Immonen zum Duell. der Finne erfüllte seine Pflicht gegen den tapfer kämpfenden Californier, der zeitweilig sogar mit 3:2 in Führung gelegen hatte.

9:5 also der Zwischenstand nach drei Tagen Mosconi Cup. Das Europäische Team mit Immonen, Hohmann, Souquet, Appleton und Feijen ist auf dem Papier deutlich besser bewertet als ihre Amerikanischern Widersacher.  Aber erstens kommt es anders... Für Immonen sah es schon oft nicht nach einem Triumph aus und doch war er zum Schluss der strahlende Sieger. Sowohl an den US Open als auch an der 10-Ball WM in Manila verlor er jeweils die erste Partie - und danach keine einzige mehr. Kann er dieses Selbstvertrauen auf seine Kameraden übertragen? Feijens Glaube an sein Spiel dürfte gegenwärtig etwas erschüttert sein und auch Souquet hat in den letzten Monaten immer wieder unerwartet gepatzt. Wenn die Europäer das Blatt noch wenden können, so wäre das wohl so was wie das "Wunder von Vegas". Aber solche Wunder soll es dort jeden Tag geben.

 


Erster und zweiter Tag Moconi Cup 2009

"Bis jetzt ist dies das beste Team, in dem ich je gespielt habe. Wir sind wirklich eine Mannschaft, ziehen Mann an Mann an einem Strick. Wir leben und atmen gemeinsam und das nimmt viel vom Druck weg." Patriotische und enthusiastische Töne vom Amerikanischen Team Veteranen Jonny Archer beschreiben offenbar treffend die Stimmung in Las Vegas.

Vielleicht fehlt der multinationalen Truppe aus Europa bisher dieses Zusammenhörigkeitsgefühl, fern ab der Heimat in der uramerikanischen Spielerstadt. Bisher jedenfalls, vermochten die Spieler aus Finnland, England, Deutschland und Holland nicht sonderlich zu glänzen.

Nach dem ersten Spieltag stand es 4:1 für die USA. Der erste Team-Match, bei dem alle Spieler aktiv waren, startete unter einem schlechten Stern, als Mika Immonen im ersten Anstoss bereits die Weisse versenkte. 6:4 endete die Begegnung. Darauf schlugen Jonny Archer & Dennis Hatch im Doppel das Duo Feijen/Appleton knapp 6:5.

Lange Gesichter im Europäischen Team unter der Leitung des Captains Alex Lely. Von Links Ralf Souquet, Darren Appleton, Torsten Hohmann, Mika Immonen und Niels Feijen.

Als nächstes standen sich Mika Immonen und Shane van Boening im Einzel gegenüber. Wechselbreak, race to 6, wie vorher. Die Partie startet ausgeglichen, beim Stand von 3:3 schafft van Boening eine 3-9 Kombination und geht in Führung. Immonen hat die Chance zum Ausgleich, verfehlt aber eine Sechs in die Ecke und verliert das Spiel. "Matchball" für van Boening und Anstoss Immonen. Doch der Break misslingt. Drei Kugeln müssen über die Grundlinie rollen, sonst gilt der Anstoss als Foul und Immonen erfüllt die Bedingungen nicht. Shan van Boening lässt sich die Chance nicht entgehen - steht es schon drei zu null für die Amerikaner.

Ziemlich trist endete das Doppel Deuel/Dominguez gegen das Deutsche Team Souquet & Hohmann mit 6:2. Für das letzte Einzel des Tages, durften die beiden Team Captains jeweils einen Spieler des Gegners auswählen. Nick Varner entschied sich für Ralf Souquet, den er offenbar nicht in Form wähnte und Alex Lely für den jungen Californier Oscar Dominquez. Zunächst sah alles nach einem klaren Sieg für den Kaiser aus, 3:0 und 5:3 lag er bereits in Führung aber nach einer Häufung von Fehlern stand es schliesslich fünf zu fünf und nur mit Mühe schaffte Souquet den ersten - und wichtigen -  Sieg für Europa zum Tages-Endstand von 4:1.

Der zweite Tag, um es kurz zu machen, verlief noch desaströser als der erste. Zuerst versenkten van Boening & Archer Feijen/Souquet mit 6:2. Danach vermochte Thorsten Hohmann Corey Deuel die Stirn zu bieten und gewann einen wichtigen Punkt für sein Team mit 6:4.

Nominal  hätten Immonen und Appleton den Amerikanern Dominguez/Hatch haushoch überlegen sein sollen. Aber auf die kurze Distanz waren sie nicht im Stande diese Überlegenheit auch in Bares zu verwandeln. Sie unterlagen mit 6:4 Ein emotionaler Dennis Hatch meinte, die Mosconi-Cup Teilnahme sei der Moment seines Lebens. Entsprechend ging er zur Sache. Im vierten Spiel legt Appleton die Weisse fast perfekt save hinter die Acht und die Neun. Hatch aber lässt sich nicht beirren und versenkt im "Stoss des Turniers" die Sieben über zwei Vorbanden. Dominquez macht die Acht und Hatch pottet die Neun zur 4:1 Führung. Auf 4:3 kommen die Europäer heran, ehe Hatch mit einer 5-9 Kombination wieder auf 5:3 entrückt.  Im neunten Spiel verpasst Immonen zuerst eine 4-9 Kombination, schafft dafür im zweiten Anlauf die 5-9 Combo. Fünf zu vier, aber.... Ice Man Immonen verpasst im entscheidenden Spiel einen Stoss mit der Queuebrücke und, schlimmer noch, touchiert mit dieser die Sieben! Foul und in Folge 6:4 für die USA. Au-Backe.

Grenzenlose Freude! Yes, we can, auch nach einem 5:1 Rückstand. Jonny Archer gewinnt die letzte Partie des zweiten Tages am Mosconi Cup 2009 in Las Vegas mit 6:5.

Kann es noch schlimmer kommen? Es kann. Im letzten Spiel des zweiten Tages steht Appleton nochmals am Tisch, diesmal gegen Jonny Archer. Der Amerikaner startet mit einigen unnötigen Fehlern, die Darren Appleton alle kaltblütig ausnutzt. Nach drei verlorenen Spielen in Serie versenkt Archer nicht weniger als vier Kugeln im Anstoss und konnte auf 3:1 aufschliessen. Appleton, im Gegenzug, erhöht auf 4:1 und im sechsten Spiel gelingt im sogar eine Führung auf 5:1 nachdem er Archer zweimal Save gelegt hatte. In dieser aussichtslosen Situation schafft Steh-Auf-Archer das unerwartete Comback. Es steht ausgeglichen 5:5 - das nächste Spiel wird entscheiden, ob die Teamwertung nach zwei Tagen 6:3 (schwierig) oder 7:2 (aussichtslos?) steht. Zunächst gelingt Appleton im Break keine Kugel, dann lässt er die zwei in der Tasche hängen und muss er Archer zusehen, wie dieser in schönster "American-Dream" Manier den 6:5 Sieg nach einem 5:1 Rückstand Wirklichkeit werden lässt.

Eine ausstehende Doppelpartie wurde auf heute verschoben - hoffen wir, dass dies Feijen, Souquet, Hohmann, Appleton und Immonen entgegenkommt und sie sich heute besser gegen die unerwartet stark auftretenden Amerikaner zur Wehr setzen werden. Nicht aufgeben, Jungs, Jonny Archer hat gezeigt, was möglich ist.

Alle Partien:

USA

Eruopa   Resultat
       
Ganzes Team Ganzes Team   6:4
Jonny Archer / Dennis Hatch Niels Feijen / Darren  Appleton   6:5
Shane van Boening Mika Immonen   6:3
Corey Deuel / Oscar Dominguez Ralf Souquet / Thorsten Hohmann   6:2
Oscar Dominguez Ralf Souquet   5:6
       
Shane van Boening / Jonny Archer Ralf Souquet / Niels Feijen   6:2
Corey Deuel Thorsten Hohmann   4:6
Dennis Hatch / Oscar Dominquez Mika Immonen / Darren Appleton   6:4
Jonny Archer Darren Appleton   6:5
       
Dennis Hatch / Corey Deuel Niels Feijen / Thorsten Hohmann   1:6
Shane van Boening / Oscar Dominguez Ralf Souquet / Mika Immonen   4:6
Dennis Hatch Niels Feijen   6:4
Corey Deuel / Jonny Archer Thorsten Hohmann / Daren Appleton   6:5
Oscar Dominguez Mika Immonen   4:6
       
Shane van Boening Ralf Souquet   3:6
Dennis Hatch Niels Feijen   6:0
Jonny Archer Thorsten Hohmann   1:6
Shane van Boening Ralf Souquet   6:2
 
 
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